Die 2. Säule (die berufliche Vorsorge in der Schweiz)

Lukas Brülhart

Lukas Brülhart | Versicherungsratgeber •  AllgemeinVorsorge

einen Überblick über die 2. Säule

die berufliche Vorsorge in der Schweiz

Im folgenden Beitrag erhalten Sie einen Überblick über die 2. Säule, die berufliche Vorsorge in der Schweiz. Die beschriebenen Leistungen müssen mindestens die gesetzlichen Anfordernungen gemäss BVG erfüllen. Es ist dem Arbeitgeber erlaubt, den Arbeitnehmer besser zu stellen.

Wer ist obligatorisch versichert?

Versichert sind alle Mitarbeitenden welche AHV-pflichtig sind. Dies ist ab dem 01. Januar des vollendeten 17. Altersjahr der Fall. Versichert ist man für die Risiken Invalidität und Tod ab dem 01. Januar des vollendeten 24. Altersjahres wird zudem Geld fürs Alter angespart. Versichert ist der Jahreslohn welcher über CHF 21’150 liegt (siehe Bundesamt für Sozialversicherungen). Dies ist die Eintrittsschwelle für die obligatorische Versicherung nach BVG.

Der versicherte Jahreslohn (BVG Obligatorium)

Obligatorisch versichert ist der Jahreslohn zwischen 24’675 und 84’600.- Franken. Dieser sogenannte koordinierte BVG-Lohn beträgt im Maximum CHF 59’925. Wer mehr als 21’150 Franken verdient (BVG-Lohn), dem wird mindestens ein Lohn von 3’525 versichert.

Was sind die Ziele der beruflichen Vorsorge?

AHV, IV und berufliche Vorsorge haben das Ziel den Versicherten und dessen Angehörigen im Alter, bei Tod oder Invalidität die Weiterführung der gewohnten Lebenshaltung zu ermöglichen. Daher beinhaltet die Deckung:

  1. Altersleistungen (ab 01. Januar des vollendeten 24. Altersjahres)
  2. Hinterlassenenleistungen (ab 01. Januar des vollendeten 17. Altersjahres)
  3. Invalidenleistungen (ab 01. Januar des vollendeten 17. Altersjahres)

Sämtliche Leistungen werden in der Regel als Rente ausgerichtet.

Wie wird die Altersrente berechnet?

Zwei Faktoren bestimmen die Rentenhöhe:

  1. Altersguthaben
  2. Umwandlungssatz

Das Altersguthaben berechnet sich aus den geleisteten Altersgutschriften ab dem 01. Januar des vollendeten 24. Altersjahres bis zu Pension. Die höhe der Sparbeiträge steigt mit dem Alter stufenweise an. Zudem wird es mit dem jährlich festgelegten Mindestzinssatz verzinst.

Altersgutschriften in % des BVG-Lohnes

Je nach Alter wird ein unterschiedlich grosser Prozentsatz des BVG Lohnes fürs Alter angespart.

Alter 25-34 (7%)
Alter 35-44 (10%)
Alter 45-54 (15%)
Alter 55-64/65 (18%)

 

Kapitalbezug oder Rente

Wer das Pensionsalter erreicht hat Anspruch auf die Rente welche sich aus den Sparbeiträgen welche geleistet wurden ergibt. Die Rente wird grundsätzlich monatlich ausbezahlt. Der Versicherte kann maximal einen Viertel der Altersrente in Form des Kapitals beziehen.

Leistungen bei Invalidität und im Todesfall

Wie in der 1. Säule besteht bei Invalidität oder im Todesfall ein Anspruch auf eine Rente.

Leistung bei Invalidität

Die Invalidenrente wird nach einer Wartefrist von 12 Monaten bezahlt. Die Invalidenrente bemisst sich am vorhandenen Alterskapital sowie den zukünftigen Altersgutschriften (ohne Zins), multipliziert mit dem jeweils aktuell gültigen Umwandlungssatz.

Beispiel
Anbei ein vereinfachtes Berechnungsbeispiel bei voller Erwerbsunfähigkeit:
Aktuell vorhandenes Altersguthaben 75’000.-
+ zukünftige Altersgutschriften 275’000.-
= 350’000.- * 6.8% (aktueller Umwandlungssatz)
= 23’800.- jährliche Invalidenrente bei 100% Erwerbsunfähigkeit.

Im Falle dass Kinder vorhanden sind, erhält der Versicherten zusätzlich eine Kinderinvalidenrente welche 20% von 23’800.- entspricht. Als erwerbsunfähige Person wird man von der BVG Beitragspflicht befreit der Versicherungsschutz im Falle von Tod bleibt aber weiterhin bestehen.

Leistung im Todesfall

Auch im Todesfall sieht die obligatorische berufliche Vorsorge eine Leistung vor. Der überlebende Ehegatte hat Anspruch auf 60% der vollen Invalidenrente sofern Kinder vorhanden sind oder er Älter als 45 Jahre alt ist und die Ehe mindestens 5 Jahre gedauert hat. Für Kinder wird eine Waisenrente von 20% entrichtet analog zur Leistung bei Invalidität.

Was passiert beim Arbeitgeberwechsel

Sollte man das Arbeitsverhältnis beenden, so hat man Anspruch auf die bisher angesparten Altersgutschriften. Sie werden entweder an die Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers überwiesen oder auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen bis ein neuer Arbeitgeber vorhanden ist.

Barauszahlung der Altersgutschriften

Unter bestimmten Bedingungen kann sich eine Person die bisher angesparten Altersbeiträge auszahlen lassen. Dies ist in folgenden Fällen möglich:

  1. definitives Verlassen der Schweiz (ausserhalb von EU und EFTA Staaten)
  2. Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit
  3. Austrittsleistung beträgt weniger als ein Jahresbeitrag der versicherten Person

Vorbezug für Wohneigentum

Das Altersguthaben kann teilweise zum Kauf von selbstbewohntem Wohneigentum verwendet werden. Wie hoch der Betrag ist, sehen Sie auf dem Vorsorgeausweis möglicherweise als “Maximal möglicher Vorbezug/Verpfändung für Wohneigentum (WEF).

Ab dem 50. Altersjahr ist der Betrag limitiert auf das Kapital welches bis zum 50. Altersjahr angespart wurde.

Steuern

Die geleisteten Beiträge werden dem Einkommen abgezogen, was zu einem tieferen Nettolohn führt und somit zu einer geringeren Steuerbelastung. Es ist zudem möglich sich in die berufliche Vorsorge einzukaufen. Diese Beträge können dem steuerbaren Einkommen abgezogen werden wie dies bei Beiträgen in die 3. Säule der Fall ist.

 

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