Die 1. Säule (die staatliche Vorsorge der Schweiz)

Lukas Brülhart

Lukas Brülhart | Versicherungsratgeber •  AllgemeinVorsorge

Im folgenden Beitrag geht es um die 1. Säule, der staatlichen Vorsorge der Schweiz. Einen Beitrag zur 2. Säule (berufliche Vorsorge) existiert ebenfalls. Alles wissenswerte finden Sie im nachfolgenden Beitrag.

Wer ist obligatorisch versichert
In der 1. Säule sind grundsätzlich alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz versichert. Anbei jedoch noch ein paar interessante Details:

Erwerbstätige

  • Personen die in der Schweiz erwerbstätig sind (ab dem 01. Januar nach vollendetem 17. Altersjahr)
  • Schweizer die im Ausland im Dienste der Eidgenossenschaft oder für vom Bundesrat bezeichnete Institutionen tätig sind

Nichterwerbstätige

  • Personen ab dem 01. Januar nach vollendetem 20. Altersjahres
  • Nichterwerbstätige Ehepartner sofern der Ehepartner mindestens den doppelten Mindestbetrag von 956.- Franken (2 x 478.- Franken) entrichtet.

Wer leistet Beiträge in die 1. Säule

Erwerbstätige
Beiträge leisten voll und teilweise erwerbstätige Personen sowie deren Arbeitgeber. Die Beiträge werden zur Hälfte vom Arbeitnehmer und zur anderen Hälfte vom Arbeitgeber bezahlt. Die Beitragssätze sind:

AHV 8,4%
IV 1,4%
EO 0,45%
Total 10,25%

Nichterwerbstätige
Nichterwerbstätige zahlen je nach Vermögen einen Jahresbeitrag.

478.- Mindestbeitrag
23'900.- Maximalbeitrag

Selbstständige
Bei selbstständigen hängt der Beitrag vom Jahreseinkommen ab.

  • Für Jahreseinkommen unter 9’400.- Franken wird der Mindestbeitrag von 478.- erhoben.
  • Für Jahreseinkommen ab 9’400.- bis 56’399.- wird ein Beitrag zwischen 5.196 und 9,155% erhoben.
  • Jahreseinkommen ab 56’400.- unterliegen dem Beitragssatz von 9,65%.

Beitragsjahre
Um eine volle Rente zu erhalten brauchen Männer 44 Beitragsjahre und Frauen 43 Beitragsjahre. Wer in einem Jahr keine AHV-Beiträge entrichtet, kann diese innhalb 5 Jahre Nachzahlen um keine Beitragslücken zu haben.

Rentenanspruch und Höhe der Rente
Jede Person hat Anspruch auf eine eigene Rente, die sogenannte Einzelrente. Ehepartner erhalten je eine Altersrente.

Zwei Faktoren bestimmen über die Rentenhöhe:

  1. Beitragsjahre (monatliche Vollrenten gibt es mit 44 Beitragsjahren)
  2. Erwerbseinkommen (mit einem Durchschnittseinkommen von 84’600.- oder mehr und 44 Beitragsjahren haben Sie Anspruch auf die höchste AHV-Rente)

Einzelpersonen

Minimum 14'100.-
Maximum 28'200.-

Ehepaare und eingetragene Partnerschaften

Minimum 28'200.-
Maximum 42'300.-

Vorzeitige Pensionierung und Rentenaufschub
Es besteht die Möglichkeit sich 1 oder 2 Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter (65 Männer / 64 Frauen) pensionieren zu lassen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit die Rente maximal 5 Jahre aufzuschieben. Welche Auswirkungen dies auf die Rente hat sehen Sie hier:

Vorzeitige Pensionierung
Bei einer vorzeitigen Pensionierung um 1 Jahr wird die Rente um 6,8%, bei 2 Jahren um 13.6% gekürzt.

Rentenaufschub
Frauen mit Jahrgang 1952 und Männer mit Jahrgang 1951 welche im 2016 das ordentliche Pensionsalter erreichen, können Ihre Altersrente aufschieben. Folgenden Einfluss hat die Aufschiebung auf die Rentenhöhe:

Aufschub um 1 Jahr +5,2%
Aufschub um 2 Jahre +10,8%
Aufschub um 3 Jahre +17,1%
Aufschub um 4 Jahre +24,0%
Aufschub um 5 Jahre +31,5%

Leistungen bei Invalidität und im Todesfall
Über die 1. Säule besteht eine Deckung bei Invalidität, Tod oder dem erreichen des AHV-Alters. Alle Leistungen werden in Form einer Rente erbracht.

Leistung bei Invalidität
Die Invalidenrente wird nach einer Wartefrist von 12 Monaten bezahlt. Frühestens jedoch nach vollendetem 18. Alterjahr und sofern die Erwerbsunfähigkeit/Invalidität mindestens 40% beträgt.

Invaliditätsgrad Rente
0-39% kein Rentenanspruch
40-49% Anspruch auf eine Viertelrente
50-59% Anspruch auf eine halbe Rente
60-69% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
70-100% Ganze Rente

Die Höhe der Rente bemisst sich am bisherigen durchschnittlichen Einkommen.

Erziehungspflichtige Personen, die eine Invalidenrente beziehen, haben für jedes Kind unter 18 Jahren bzw. bis es seine Ausbildung abgeschlossen hat, längstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr Anspruch auf eine Kinderrente. Sie beträgt 40% der entsprechenden Invalidenrente. Beziehen beide Elternteile eine Invalidenrente, so haben Vater und Mutter Anspruch auf je eine Kinderrente.

Leistung im Todesfall

Die Wittwenrente

Die Wittwenrente beträgt 80% der Rente des verstorbenen Ehemannes. Die Voraussetzung für eine Wittwenrente sind:

  • Es sind Kinder vorhanden, egal ob eigene Kinder der Wittwe, gemeinsame Kinder mit dem verstorbenen Ehemann oder adoptierte Kinder. Ob die Kinder bereits erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen, spielt dabei keine Rolle.
  • sollten keine Kinder vorhanden sein, hat die Wittwe nur Anspruch auf eine Wittwenrente wenn sie beim Zeitpunkt des Todes ihres Ehegatten mindestens 45 Jahre alt war und die Ehe mindestens 5 Jahre gedauert hat.

Die Wittwenrente erlischt beim Tod der Wittwe oder der Wiederverheiratung.

Die Wittwerrente
Der Wittwer hat ebenfalls Anspruch auf eine Rente in Höhe von 80% der verstorbenen Ehefrau. Er ist jedoch weniger gut gestellt als die Wittwe. Die Voraussetzungen für eine Wittwerrente sind:

  • Es sind Kinder vorhanden, welche jünger als 18. Jahre alt sind.
  • Sind die Kinder älter als 18. erhält der Wittwer keine Rente, egal wie alt er ist und wie lange die Ehe gedauert hat.

Die Wittwerrente erlischt am 18. Geburtstag des Kindes bzw. am 18. Geburtstag des jüngsten Kindes.

Die Waisenrente
Für die Kinder erhält der überlebende Ehegatte 40% der Altersrente. Die Rente wird bis zum 18. Geburtstag bezahlt, sofern die erst Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist bis zum maximal 25. Geburtstag. Beim Tod beider Elternteile erhält das Kind eine Waisenrente welche maximal 60% der Maximalrente beträgt.

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Nächste Session findet am Dienstag den 9. Januar 2018 statt.

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