Die Zukunft der Versicherungswelt laut EY

“NextWave Insurance: personal lines and small commercial” heisst die Publikation des EY Insurance Leadership Team, die zum Anfang des Jahres 2020 erschien. Darin werden acht Szenarien zur Zukunft der Versicherungsbranche dargelegt. Christian Dünner, Versicherungsexperte und COO von esurance, hat sich die Prognosen angeschaut und in den eigenen Kontext der Unternehmensversicherungen eingeordnet.

Data leads the way

Das Insurance Leadership Team von EY geht im ersten Szenario auf die Messung von Risiken in Echtzeit ein, die zur Realität werde. Versicherungskunden könnten so von niedrigeren Prämien profitieren. Christian Dünner stimmt grundsätzlich zu: 

“Ich bin überzeugt, dass in Zukunft Risiken individueller beurteilt und entsprechend die Prämien fairer festgelegt werden können. Heute sind wir davon jedoch noch meilenweit entfernt. Es gibt noch immer ca. 20 % Sparpotenzial, wenn man die Versicherungen über ein Gesamtportfolio am Markt ausschreibt. Und dies ohne Echtzeitmessung von Risiken.” 

Wie EY anerkennt Dünner das Potential von Daten und präzisiert: “Daten machen das Kerngeschäft der Versicherung – die Risikoübernahme – kalkulierbarer und somit das Geschäft insgesamt sicherer. Ich bin überzeugt, dass die Risikogruppen künftig homogener werden und so die Risiken besser abgestützt und beurteilt werden können. Dies wird nicht in jedem Fall zu tieferen Prämien führen, aber vermutlich zu besseren Deckungskonzepten.” 

Wie sich Daten auf das Angebot auswirken

Ein Beispiel: Umfragen haben gezeigt, dass Firmen in der IT-Branche nebst den bekannten Risiken wie Datenverlusten oder Verfügbarkeitsproblemen häufig auch wegen Projektverzügen zur Rechenschaft gezogen werden. Das heisst, dass Haftpflichtforderungen an IT-Firmen gestellt werden, weil diese nicht im versprochenen Zeitrahmen liefern können.

Was wird nun der nächste Schritt in diese Richtung sein? “Versicherte werden für ihr Verhalten belohnt werden”, meint Dünner. “Ich sehe hier insbesondere bei Cyber-Versicherungen interessante Use Cases. Da wird es für IT-Firmen als Anbieter spannende Serviceangebote geben, die bei der Beurteilung und Quantifizierung von Cyber-Risiken eine wesentliche Rolle spielen werden. Hier wollen und werden wir als Branchenbroker der IT-Industrie neue Lösungen aktiv mitgestalten.”

Die Rolle der KI

Auch ein Thema in den Prognosen von EY: Künstliche Intelligenz und smarte Algorithmen. Über die nächsten Jahre werde der Grad der Automatisierung weiter zunehmen und sich auf andere Bereiche wie die Schadenaufnahme, -verarbeitung und -auszahlung ausdehnen, heisst es. 

Künstliche Intelligenz wird eine Schlüsselkompetenz in der Versicherungswirtschaft”, bekräftigt Christian Dünner von esurance. “Automatisierte Schadenbeurteilung anhand von Fotos, selbstlernende Underwriting-Prozesse oder intelligente Vermarktungsstrategien von neuartigen Deckungen und Leistungen sind nur wenige Beispiele von den heutigen Möglichkeiten.”

 

versicherungen zukunft

 

“One-stop-shops” für den gesamten Lebenszyklus

Laut EY bahnt sich eine Revolution an, was das Abschliessen von Versicherungen betrifft: Es sei vorstellbar, dass sich Finanzplattformen zum Sparen, Investieren, Leihen, Ausgeben und Absichern entwickeln würden, damit der Kunde über den gesamten Lebenszyklus hinweg bedarfs- und zeitpunktgerecht Angebote aus einer Hand von einem “One-stop-shop” bekommt.  

“Durch die Verknüpfung mit Buchhaltungs- und/oder E-Bankinganbietern werden die Versicherungsdaten stets auf dem aktuellsten Stand sein. Dazu haben wir mit renommierten Banken und grossen Softwareanbietern bereits vertiefte Gespräche geführt. Derzeit scheint aber weder die Motivation zur Veränderung noch der Leidensdruck bei den Anbietern und bei den Kunden sehr hoch zu sein”, erklärt Dünner.

Die Kundenbeziehung in der Versicherungswelt von Morgen

Ein weiterer zentraler Aspekt in den Prognosen von EY: Digitale Vertriebskanäle werden wichtiger, doch gleichzeitig sei zu beachten, dass die persönliche Beratung damit keinesfalls obsolet werde. esurance bläst hier schon länger ins selbe Horn:

“Wir haben die Ambition, dass ein potenzieller Kunde sich ein komplett eigenständiges Bild über unser Angebot machen kann. Wir zeigen klar und mutig eine verbindliche Prämie und der Kunde kann in wenigen Minuten komplizierte Versicherungen wie die Haftpflichtversicherung oder die Krankentaggeldversicherung bei uns direkt abschliessen”, führt Christian Dünner aus.

Man stehe hierbei aber noch vor Herausforderungen: “Es zeigt sich, dass gerade bei Versicherungen der RoPo-, also Research Online, Purchase Offline-Effekt sehr ausgeprägt ist. Bei aller Liebe zum Detail – das auf mehr als 40 Seiten ausgeführte Kleingedruckte schreckt häufig ab. Hier will der Kunde am Ende des Tages einen Kopf, dem er vertrauen kann. Und auch diesem Bedürfnis werden wir mit unserer Omnichannel-Vertriebsplattform gerecht.” 

Die persönliche Kundenbeziehung gehört bei esurance zur DNA: “Wir und uns angeschlossene Vertriebspartner (Broker) beraten unsere Kunden gerne persönlich. Der Kunde soll wählen, wem er in Versicherungsfragen vertraut. Wir denken in Ökoystemen und nicht in Egosystemen”, so Dünner.

Zwei Wetten: Bundles vs. Gesamtberatung

EY sieht zudem ein Risiko am Horizont, was Versicherungsabschlüsse betrifft: dass Versicherungen besonders im Massengeschäft in Zukunft als Bundle mit Produkten zusammen gekauft würden und so die Kundenschnittstelle verloren gehe. So könnten die Versicherer irrelevant werden. Christian Dünner relativiert diese Prognose: 

Bei diesem Thema laufen zwei Wetten: die Welt der Bundles gegen die Gesamtberatung aus einer Hand. Die Bundles sind auf den ersten Blick verlockend, weil der Kunde ein Sorglospaket kaufen kann. Allerdings verliert der Kunde komplett den Überblick über seine Risiken und Absicherungsmöglichkeiten.”

Was dies mit sich bringt, illustriert Dünner anhand eines Beispiels: “Wir stellen zum Beispiel fest, dass viele Kunden überzeugt sind, dass sie wegen der Kreditkarte über eine vollumfängliche Reiseversicherung verfügen. Dass diese aber nur gilt, wenn auch mit Kreditkarte bezahlt wurde, ist bereits vielen Kunden nicht bekannt.” 

Je mehr Versicherungen mit einem Konsumgut verschmolzen werden, desto mehr schwindet auch der Überblick. Christian Dünner glaubt daher, dass viele Kleinrisiken wie Kombinationen von Sachversicherungen und Garantieleistungen künftig durch Drittparteien vertrieben werden. “Bei den Grossrisiken – wie Haftpflichtrisiken, Vorsorgelösungen und Gesundheitsrisiken – wird es auch in Zukunft einen Experten wie esurance benötigen, der die Kunden durch den komplizierten Versicherungsdschungel führen kann”, ergänzt er.

Fazit

Das Team von EY stellt mit seinen Prognosen interessante Thesen in den Raum und stützt sich dabei auf Daten und wahrnehmbare Trends. Inwiefern diese Thesen eintreten, wird sich zeigen – esurance freut sich jedenfalls auf die anstehenden Veränderungen Versicherungsmarkt und darauf, diese aktiv mitzugestalten.

Versicherungen sind Investitionen in die Zukunft von Menschen und Unternehmen. Deswegen sehen wir grosses Potenzial und viel Gutes darin, Versicherungen für alle Beteiligten einfacher, transparenter und digitaler zu machen, Schritt für Schritt. Daran arbeiten wir – und sind noch lange nicht fertig.

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